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Bengalkatze

Rasseguide

Bengalkatze

Eine Kreuzung aus Hauskatze und Asiatischer Leopardkatze - Wildtier im Wohnzimmer?

 

Die Bengalkatze ist momentan wahrscheinlich die Katze, in deren Anblick sich jeder potentielle Katzenhalter sofort verliebt. Diese Optik, dieses Fell – diese Augen! Auf Social Media und in Hochglanzmagazinen höchst eindrucksvoll in Szene gesetzt, sind diese Stubentiger auch wahrlich ein Augenschmaus. Sie scheinen geheimnisvoll und exotisch, und verkörpern wie kaum eine andere Rasse die herablassende Eleganz aller Katzen. Dazu kommt, dass sie mit beispielsweise Justin Biber prominente Fans haben. Bengalen sind anmutig, agil, wunderschön und dank exzessiver Zucht inzwischen auch für „Otto-Normalverbraucher“ erschwinglich. Alles also einfach toll – oder doch nicht? Wer uns kennt, weiß, dass LucyBalu sorgfältig alle Bereiche eines Themas beleuchtet und der Tierschutz eine besondere Rolle spielt. So auch bei diesem Rasseguide der Bengalkatze. Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass wir niemanden, schon gar keine Katzenrasse, verurteilen. Und dennoch ist diese spezielle Katze eine ganz besondere Nummer für sich.

 

Bengal Portrait

Wie alles begann

Die Bengalkatze entstand nicht wie andere Katzenrassen aus der Verpaarung zweier Hauskatzen untereinander, sondern aus der Verbindung von Hauskatze und Asiatischer Leopardkatze. In den 1960er Jahren wurden durch eine Genetikerin aus den USA die ersten nachweislichen Kreuzungen dieser Tierarten durchgeführt. Damit ist die Rasse „Bengale“ sehr jung und im Vergleich mit anderen Haustieren kann man nicht von einer langen Domestikationsphase sprechen. Unbedingt muss hier erwähnt werden, dass Asiatische Leopardkatzen Wildtiere sind, die zwanghaft und unter großer Gefahr für die Hauskatze, mit dieser verpaart wurden. Unter natürlichen Umständen wäre diese Rasse also nie entstanden. Man spricht hier auch von Hybridkatzen. Ähnliches gibt es übrigens in der Hundezucht auch – hier spricht man von Wolfshybrinden. Die Zucht der hybriden Katzen lief nach einer kurzen Unterbrechung in den 70er Jahren weiter, auch unter Einkreuzung anderer Katzenrassen. Inzwischen jedoch werden von seriösen Züchtern nur noch Bengalen mit Bengalen verpaart. Da die Nachfrage nach Kitten enorm war und ist, kam es immer wieder zu massiver Inzucht. In Europa kam der Hype um die Bengalen erst später an: erst seit 1999 sind sie in Europa wirklich bekannt.

Aussehen und Charakter der Bengalkatze

Die besondere Optik der Bengalkatzen ist auch ein Hinweis auf ihre inneren Werte. Denn sie sehen meistens wahrlich wild und wunderschön aus! Das Fell ist golden, braun oder auch silbergrau. Gezeichnet sind Bengalen häufig in den Varianten marbled, tabby oder auch spotted. Es handelt sich um Kurzhaarkatzen mit einfach zu pflegendem Fell und elegantem Körperbau. Die heutigen Bengalen sind schlank und mit 4-5 Kilo bei den Weibchen und nur etwas mehr Gewicht bei den Männchen nicht allzu groß. Der Charakter der Samtpfoten ist der Optik entsprechend nicht ganz so ohne Ecken und Kanten. Die meisten Bengalen sind anschmiegsame und schmusige Tiere, die ihre Besitzer genauso umschmeicheln wie das andere Katzen auch tun. Sie gelten als intelligent und redefreudig und sind äußert aktiv und neugierig.

 Trotzdem kommen wir hier zu einem potentiellen Problem: die Wildheit der ursprünglichen Leopardkatze kann man den Bengalen nämlich auch heute noch anmerken. So übertrifft der Jagdtrieb von Bengalkatzen den anderer Rassen bei weitem. Das macht sich zuhause zum Beispiel beim Spielen und Toben bemerkbar. Beim Freigang zeigen die Tiere einen enorm hohen Jagderfolg. Ebenso zeichnen sich Bengalen durch ihren sehr starken Bewegungsdrang aus. Gemütlich chillen – klar! Aber davor (und danach) wird richtig Gas gegeben. Was genau meinen wir mit Problem? Spielen und toben ist doch super, oder? Wünschen wir uns nicht alle insgeheim einen wahren Stubentiger? 

Der Preis der Zucht

Stuben-Tiger bekommt man im wahrsten Sinne des Wortes. Bengalkatzen sind aufgrund ihrer Eigenschaften nämlich nicht für die reine Wohnungshaltung geeignet. Außer man verbaut ein gesamtes Haus mit Kletter-, Spiel- und Laufmöglichkeiten, reicht der Radius in einer klassischen Wohnung nicht aus, um dem Entdecker- und Bewegungsdrang der Tiere wirklich langfristig gerecht zu werden. Schon bei der ganz normalen „Hauskatze“, der Europäisch Kurzhaar, gibt es unzählige Individuen, die deutlich machen, dass sie raus wollen. Bei Bengalen ist dies standardmäßig der Fall! Nun gut – dann lassen wir die Schönen halt hinaus ins Freie. Das sollte kein Problem sein. Richtig? Leider ist es das doch. Schon jetzt gelten Katzen (meist zu Unrecht) als Verursacher von Vogelschwund und als unerbittliche Jäger von Kleinnagern und anderen Tieren in freier Wildbahn. Hauskatzen, die über Jahrtausende an das Leben mit dem Menschen gewöhnt wurden und seit ebenso langer Zeit mit Menschen leben, jagen nach wie vor in heimischen Gärten. Sie lassen sich jedoch gut ablenken, füttern oder anderweitig zumindest teilweise von der Jagd abhalten – näheres dazu haben wir HIER zusammengestellt. Bengalen jagen jedoch meist deutlich aktiver und auch mehr als die „normalen“ Hauskatzen. Sie sind bewegungsfreudiger und nicht wenige Vertreter der Rasse sind auch innerartlich (sprich mit anderen Katzen) aggressiver als ihre nicht mit Wildkatzen gekreuzten Verwandten. Diese Charaktereigenschaften machen damit einen ungeschützten Freigang nicht so ohne weiteres möglich. Wie schon gesagt – wir von LucyBalu lieben Bengalkatzen. Dennoch sollten potentielle Käufer dieser Tiere wirklich umfänglich und ohne rosa Brille auf potentielle Probleme hingewiesen werden.

Bengalkatze schlafend

Die Zucht der Bengalkatzen aus Tierschutzsicht

Der Ursprung der Rasse wurde schon erklärt. Was genau heißt das aber eigentlich? Und warum sollte es uns heute noch interessieren? Nun ja – weil leider eben gerade der Tierschutzaspekt bei dieser Rasse eine Rolle spielt. Die Entstehung der Rasse ist von Grausamkeiten gezeichnet: die sehr viel größeren Wildkatzenkater wurden mit Hauskatzen verpaart. Da die Männchen den Weibchen deutlichst überlegen waren, kam es gerade am Anfang der Zucht sehr häufig zu Todesfällen oder schweren Verletzungen der Katze beim Deckakt. Ebenso waren die Kitten für die zierlichen Kätzinnen zu groß – Schwergeburten waren die Folge, nicht selten starben auch hier die Mutterkatzen. Heute kommt dies kaum noch vor, da keine Wildkatzen mehr eingekreuzt werden dürfen. Dennoch kommen diese Einkreuzungen mit wilderen Tieren weiterhin bei unseriösen Züchtern vor! Denn die Blutlinie der Bengalen „verwässert“ immer mehr. Um das Wilde zu erhalten greifen dann manche Menschen zu unrechten Methoden. So kommt es auch, dass bis heute viele Bengalen auftauchen, die es eigentlich so gar nicht mehr geben dürfte. Moment - was meinen wir denn jetzt damit?

Die sogenannten F Generationen

BengalIn der Wissenschaft nennt man Generationen oft „F“. F1 heißt in unserem Fall dann das erste Jungtier aus der Kreuzung einer Asiatischen Leopardkatze und einer Hauskatze. F2 bezeichnet die zweite Generation danach, F3 die dann folgende und so weiter. Alle Generationen bis F4 von Hybridkatzen sind in Haltung, Zucht und Veräußerung in Deutschland übrigens verboten. Wenn man aber jetzt davon ausgeht, dass nur noch hohe F-Generationen miteinander verpaart werden, da das Einkreuzen wilder Tiere nicht gestattet ist, könnte alles gut sein und die Zucht laufen. Aber leider ist die Realität eine andere. In Tierheimen und Auffangstationen kommen immer wieder Bengalen an, die so GAR nicht zahm sind. Die viel zu groß und viel zu wild sind, um glaubhaft eine F5 Generation oder höher darstellen zu können. Diese wilden Hybridkatzen sind eine enorme Bedrohung vieler kleiner Biotope, sie jagen erbarmungslos und nicht selten werden andere Hauskatzen in Revierkämpfen schwer oder gar tödlich verletzt. In Deutschland sprechen wir aktuell von hunderten solcher Tiere, die ihren Weg in eben Tierheime und dafür spezialisierte Stationen gefunden haben. Woher kommen diese wilden Tiere? Diese Problematik hat auch der Gesetzgeber erkannt – und mit oben erwähntem Verbot geantwortet. Diese Hybriden gelten nicht nur als Qualzucht (siehe Deckakt) sondern auch als sogenannte potentielle Faunenverfälscher. Sprich, sie sind mehr wild als domestiziert.  

Haltung unmöglich? Nein!

Wenn dir jetzt der Kopf schwirrt – so ging es uns auch. Eine so schöne Katze, so verschmust, so klug…und DIE soll gefährlich und wild sein? Diese Tiere sollen aggressiv sein, Raufbolde und vielleicht auch noch Vogelkiller? Nein – sind sie nicht. Jedenfalls nicht das Gros der Bengalen! Seriöse Züchter bemühen sich, Tiere mit ruhigerem Charakter zu züchten, und legen Wert auf ausgewogene Blutlinien. Was allerdings nach wie vor bestehen bleibt, sind der Bewegungsdrang und der starke Jagdtrieb der Katzen. Diese Eigenschaften sind Teil des Charmes der Tiere. Und wer sein Tier liebt – der hält es so, dass das Tier ein gutes Leben leben darf. In diesem Fall bedeutet das unbedingt Freigang. Dieser Freigang sollte nicht unbeaufsichtigt sein; ein großes eingezäuntes Gehege bzw. ein gesicherter Garten oder auch die komplett vernetzte riesige Dachterrasse mit genügend Strukturen um zu Klettern, Toben und zu jagen sind für Bengalkatzen das Paradies. Wer es sich leisten kann so ein Zuhause für diese Tiere zu schaffen, wird mit einem wahren Stubentiger belohnt. Diese Tiere sind faszinierend und eigen - sie haben ein gutes Leben verdient.

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