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FIP – Feline Infektiöse Peritonitis

Coronaviren bei der Hauskatze

Wenn es euch wie uns geht, wärt ihr wahrscheinlich glücklich, nie, also wirklich NIE wieder das Wort Corona hören zu müssen. Seit zwei Jahren geht es gefühlt um kaum etwas anderes als Lockdowns, Infektionsfälle oder tragische Zahlen aus Krankenhäusern und Altenheimen. Warum also jetzt auch noch ein Artikel hier bei uns? Naja, einfach weil Corona leider auch bei unseren geliebten Hauskatzen vorkommt. Und das nicht erst seit Ende 2019, als SARS-CoV2 das erste Mal offiziell beschrieben wurde, sondern schon seit Jahrzehnten.

Coronaviren bei Katzen

Das Feline Coronavirus (FCoV), das Katzen befällt und in fast jeder Katzenpopulation nachweisbar ist, ist an sich ziemlich harmlos. Es wurde bereits in den 60er Jahren beschrieben, und sorgt vor allem bei jungen Katzen für leichte Durchfälle oder andere, sogenannte unspezifische, Symptome wie Fieber. Oft verläuft eine Infektion auch ohne äußere Anzeichen. Allerdings ist es auch besonders ansteckend, und damit aus einer Katzenpopulation kaum mehr herauszubekommen. Was bedeutet das für uns als Besitzer? Erst einmal nur: sehr viele unserer Stubentiger tragen Antikörper gegen das Coronavirus in sich, sprich sie hatten mal Kontakt mit dem Virus und haben es erfolgreich bekämpft und überstanden.

Von harmloser Corona-Infektion zu tödlichem FIP

Was das feline Coronavirus leider erschreckend macht, ist die Tatsache, dass es mutieren kann - und dies auch fleißig tut. Tatsächlich mutiert bei unseren geliebten Haustieren FCoV relativ leicht, bei immerhin 5-10% aller mit dem „harmlosen“ Coronavirus infizierten Katzen. Diese Mutation führt dann immer zu einer sehr bekannten und höchst gefährlichen Krankheit. Ihr und wir alle haben schon von dieser Krankheit gehört: es handelt sich um FIP. FIP steht dafür für Feline Infektiöse Peritonitis (falls euch bereits jetzt der Kopf schwirrt vor lauter Fachbegriffen und Abkürzungen: wir haben euch am Ende des Textes nochmals alle wichtigen Begriffe aufgeschlüsselt).

FIP Infektion

Was passiert bei einer Infektion?

Zu Infektionsbeginn wird das harmlose feline Coronavirus, welches vorwiegend mit dem Kot infizierter Tiere ausgeschieden wird, über den Nasen- und Rachenraum aufgenommen. Die aufgenommenen Coronaviren setzen sich im Dünndarm an die Oberfläche von Darmzellen, in die sie eindringen. Sie vermehren sich in diesen Zellen und zerstören sie. Die dabei frei werdenden Viren infizieren anschließend neue Zellen und werden anschließend mit dem Kot oder auch über Speichel ausgeschieden. Wir sehen also: alleine das Benutzen einer gemeinsamen Katzentoilette kann zu einer Ansteckung gesunder Samtpfoten führen. Ganz wichtig: FCoV ist dabei an sich noch kaum gefährlich, und viele Katzen tragen es bereits bei ihrer Geburt in sich, da es auch von Kätzinnen im Mutterleib übertragen werden kann.

Mutation - und was das für unsere Katze bedeutet

Bei 5-10% der Katzen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, kommt es aber leider Tage, bis Jahre nach der Infektion zur Mutation des Virus zum FIP-Virus. Dabei werden die Makrophagen, eine bestimmte Zellgruppe des Immunsystems befallen und das Virus mit ihnen im Körper verbreitet. Ungefähr 2 Wochen nach der spontanen Mutation hat sich das Virus im Körper verbreitet. Das Immunsystem versucht mit Antikörpern gegen die FIP-Viren vorzugehen. Dabei entstehen sogenannte „Antigen-Antikörper-Komplexe“. 

Diese Komplexe wiederum - und die durch das FIP-Virus veränderten Reaktionen des Immunsystems - verursachen die Mehrzahl der Symptome. Es ist also nicht wirklich das Virus selber, welches zu den Symptomen führt, sondern paradoxerweise die Immunantwort des eigenen Körpers. Erste Symptome treten wenige Wochen bis maximal 18 Monate nach der Mutation auf. Dabei ist wichtig zu wissen – das Feline Coronavirus ist ansteckend, FIP ist es aber nicht!

Schreckgespenst FIP

FIP stellt weltweit eine der, wenn nicht DIE häufigste infektiöse Todesursache bei Katzen dar. In Deutschland leben mehrere Millionen Hauskatzen; die Katze ist unser beliebtestes Haustier. Nur wenig treibt einen Tierbesitzer so um, wie das Wohlergehen und die Gesundheit seines Tieres. Umso erschreckender dürfte damit das feline Corona-Virus, bzw. seine Mutation für uns alle sein. Denn anders als bei vielen anderen Infektionskrankheiten gibt es momentan noch keine Heilung für die Erkrankung. Eine FIP führt bei unserer Katze immer zum Tod, meist innerhalb von nur wenigen Wochen. In einigen Fällen konnte die Katze noch mehrere Monate mit FIP leben – die Norm ist dies jedoch leider nicht. Am häufigsten sind Katzen unter einem Jahr von der FIB betroffen.

Symptome der FIP

Die sogenannten klinischen Symptome einer FIP-Erkrankung, also das war wir sehen können, variieren sehr stark. Abhängig davon, welche Organe hauptsächlich betroffen sind, zeigen die betroffenen Katzen unterschiedliche Anzeichen. Darm, Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse, Augen und zentrales Nervensystem sind häufige Ziele der Infektion. In ihnen wird eine Entzündung ausgelöst, welche zu erheblichen Organschäden und Flüssigkeitsabsonderungen führt. Die Organe versagen und es kommt zu Fieber, welches medikamentös nicht beeinflussbar ist. Im Blutbild finden sich dazu dann die jeweils veränderten Blutwerte des betroffenen Organs. Am häufigsten wird die Entzündung des Bauchfells beobachtet – das sogenannte Peritoneum. Von diesem Symptom kommt auch der Name der Krankheit. Peritonitis steht für entzündetes Bauchfell. Man spricht im Falle einer Flüssigkeitsansammlung von der sogenannten feuchten FIP. Dem gegenüber steht die trockene FIP, die ohne Ergüsse auskommt. Diese Erkrankung ist schwerer zu diagnostizieren und wird deswegen manchmal auch nicht als erste Möglichkeit erkannt. Erkrankte Katzen hören auf zu fressen, sind apathisch, sehen oft ungepflegt aus und nehmen ab. Erleichterung kann der Tierarzt immer nur für die Symptome geben.

Symptome der FIP

Gibt es überhaupt Hoffnung?

Eine Krankheit, schnell und leicht übertragbar, mit einer hohen Mutationsrate, die meine Katze sicher umbringt? Gibt es in all diesen Horrorszenarien überhaupt Hoffnung? Gott sei Dank – ja! Das Wichtigste für die Halter mit mehreren Katzen Zuhause an erster Stelle: FCoV ist ansteckend; FIP ist es NICHT! Sprich, sollte eine unserer Katzen tragischerweise an FIP leiden, können die anderen Katzen der Familie absolut gesund bleiben. Weiterhin gab es 2021 eine erste, vielversprechende Studie mit einer neuen Art von Medikament. In dieser Studie wurden tatsächlich alle teilnehmenden Katzen geheilt. Da es nur eine sehr kleine Studie war (es nahmen 18 Tiere teil) und das Medikament bisher in der EU nicht zugelassen ist, können wir nur hoffen, dass in diesem Bereich der Wissenschaft weiter eifrig geforscht werden wird. Weiterhin gibt es eine Impfung gegen FIP. Diese Impfung ist ziemlich umstritten, da verschiedene Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen und kommen: eine Wirksamkeit von 0% bis zu 80% konnte nachgewiesen werden. Ziemlich große Bandbreite? Finden wir auch! Ein Nachteil der Impfung ist, dass lediglich Tiere, die noch nie Kontakt zu Corona-Viren hatten, für eine Impfung in Frage kommen – weil die Impfung nur die Ansteckung mit Corona verhindern kann. Eine Impfung gegen eine Mutation im Körper der Katze gibt es nicht.

Können wir überhaupt etwas tun?

Auch hier: ja. Soweit man es wissenschaftlich einschätzen kann, gibt es präventive Möglichkeiten, die Wahrscheinlichkeit einer Mutation zu senken. Vor allem junge Katzen in größeren Katzenpopulationen (Tierheim, Züchter, große Katzenhaltung) entwickeln FIP. Das spricht dafür, dass Stress als Mutationsantreiber fungieren könnte. Weiterhin kann man mit erhöhter Hygiene dafür sorgen, dass die Viruslast nicht zu hoch wird. Sprich, wenn infizierte Katzen über Kot oder Speichel das Virus ausscheiden, kann man mit einer rigorosen Hygiene die Viruslast für die anderen Tiere merklich verringern. Denn je weniger Viren aufgenommen werden, desto geringe diese Viruslast im Körper. Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine erhöhte Viruslast, zum Beispiel durch neuerliche Infektionen, ebenfalls zur Mutation beitragen können.

FCoV

Was bleibt, wenn meine Katze FIP hat?

Bisher war die Lage so: FIP führte zum Tod und wir konnten nur mit Hilfe eines Tierarztes dafür sorgen, dass unsere erkrankte Katze nicht zu lange leidet. Inzwischen jedoch gibt es die Hoffnung, dass das oben erwähnte Medikament Katzen wirklich heilen kann. Wir hoffen inständig, dass das Medikament in Zukunft auch in Deutschland frei zugänglich wird und bald unseren Tierärzten zur Verfügung steht – denn dann gibt es eine reelle Heilungschance für diejenigen Stubentiger, die früh genug in der Infektion damit behandelt werden. Wir hoffen, dass keiner jemals seinen Stubentiger an diese teuflische Krankheit verliert; wir wissen aber auch, dass es momentan leider immer wieder vorkommen wird.

Begriffserklärung:

  • FCoV: Felines Coronavirus 
  • Felin (hergeleitet von Felidae, Katzen) bedeutet, dass alle Katzenartigen, also theoretisch auch Löwen oder Tiger,
          davon betroffen sein können.
  • Mutation: eine spontan auftretende, dauerhafte Veränderung des Erbguts einer Zelle, oder in unserem Fall, eines
          Virus 
  • FIP: Feline infektiöse Peritonitis
  • Peritoneum: das Bauchfell
  • Peritonitis: Entzündung des Bauchfells
  • Antikörper: bildet der Körper nach dem Überstehen einer infektiösen Erkrankung oder nach einer Impfung aus

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